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← Magazin 15. Juni 2026
Ausstellung · 12 min

Junggeflügelschau-Saison Herbst 2026 — Vorbereitung von Käfig bis Anmeldung

Vom Käfig-Training im Sommer bis zur ersten BDRG-Schau im November: Termine, Habituations-Phase, Federpflege nach §13 Schauordnung und die nüchternen Zahlen zu Standgeld und Bewertungs-Skala.

Die Junggeflügelschau-Saison 2026 beginnt für die meisten Züchter nicht im November, sondern im Juni. Wer im Frühjahr ausgebrütet hat, steht jetzt vor der Frage, welche Jungtiere die Käfig-Habituation durchlaufen und welche im Schlag bleiben. Die Entscheidung lässt sich nicht aufschieben — die ersten BDRG-Schauen liegen nur fünf Monate vor uns, und ein Jungtier, das im Käfig nervös wird, kostet Punkte, die kein Federzustand ausgleicht.

Die Termine — Saison-Übersicht 2026/27

Vier Schauen prägen die Saison:

SchauTermin 2026/27Meldeschluss
BDRG-Junggeflügelschau Hannover7.-8. November 202625. September 2026
Lipsia Leipzig27.-29. November 202615. Oktober 2026
Erfurter Tauben-Schau12.-13. Dezember 202630. Oktober 2026
VHGW Hannover8.-10. Januar 202720. November 2026

Die typische Meldefrist liegt sechs Wochen vor Schau-Beginn. Wer die Frist versäumt, kann nachmelden, zahlt aber bei den meisten Veranstaltern einen Zuschlag von 3-5 EUR pro Tier und riskiert, dass die gewünschte Käfig-Reihe (etwa für Sondervereins-Bewertung) bereits belegt ist.

Das Standgeld 2026 bewegt sich zwischen 5 EUR (kleinere Kreis-Schauen, Sondervereins-Schauen) und 12 EUR (BDRG-Bundes-Schau Hannover, Lipsia Hauptschau). Für eine vollständige Saison mit drei Schauen und je sechs Tieren rechnet man also mit 90 bis 216 EUR reinem Standgeld, dazu Anfahrt, Käfige, Transport-Material.

Die Habituations-Phase: vier bis sechs Wochen

Ein Jungtier, das nie aus dem Schlag heraus war, wird im Schau-Käfig zur Bedrohung für die eigene Bewertung. Es duckt sich, hackt nach der Hand des Preisrichters oder steht reglos in der Ecke — alles Bewertungs-relevante Schwächen, die mit 1 bis 3 Punkten Abzug für Haltung und Vorführung quittiert werden. Die einzige Lösung ist systematische Habituation.

Bewährt hat sich folgender Ablauf:

Woche 1 bis 2: Tier täglich 15 Minuten in einen Übungs-Käfig setzen (BDRG-Standardmaß 50 × 40 × 40 cm). Der Käfig steht im Schlag selbst, in vertrauter Akustik. Wasser-Schälchen mit etwa 4 cm Wasserstand bleibt drin, Futter wird nicht gereicht. Ziel: das Tier lernt den Käfig als kurzfristige Aufenthalts-Form.

Woche 3 bis 4: Sitzungs-Dauer steigt auf 30 Minuten, der Käfig wandert in einen ruhigen Nebenraum mit veränderter Akustik und Licht. Mindestens zweimal pro Woche besucht eine fremde Person den Käfig und nähert ihre Hand bis auf 30 cm Distanz an die Käfig-Vorderseite an.

Woche 5 bis 6: Volle Schau-Routine. Sitzungs-Dauer 45-60 Minuten, fremde Hand im Käfig (sanftes Heben des Tieres an der Brust, wie es Preisrichter tun), unterschiedliche Räume, unterschiedliche Tageszeiten. Wer die Möglichkeit hat, transportiert das Tier zur Übung einmal über 20-30 km Straße — eine Erfahrung, die viele Jungtiere zum ersten Mal auf der Schau machen, mit entsprechendem Stress.

Die Habituation ist abgeschlossen, wenn das Tier bei Annäherung einer fremden Hand entweder ruhig stehen bleibt oder sich kontrolliert in die hintere Käfig-Hälfte bewegt, ohne zu flattern oder zu picken. Tiere, die nach sechs Wochen noch unkontrolliert flattern, melden sich besser nicht für die erste Schau ihres Lebens an.

Federpflege im Rahmen der Schauordnung

§13 der BDRG-Schauordnung in der Fassung von 2024 ist klar: das Federkleid muss in Naturmaßen vorgeführt werden. Das Schminken von Federn (Auflegen von Farbe, Bleichen, Tönen) ist nicht erlaubt und führt zur Disqualifikation des Tieres, im Wiederholungsfall zum Ausschluss des Ausstellers von der laufenden Schau.

Was erlaubt ist:

  • Baden des Tieres bis zu drei Tage vor Schau-Beginn (Wasser 18-22 °C, etwa 5 cm Wasserstand in einer flachen Schale)
  • Nachschneiden gebrochener Schwingen-Spitzen, sofern die Schnittlinie sauber und die ursprüngliche Federform erkennbar bleibt
  • Reinigen der Beine mit lauwarmem Wasser und weicher Bürste
  • Lackieren der Krallen mit klar-Lack zur Glanzgebung

Was nicht erlaubt ist (Auswahl):

  • Bleichen weißer Federpartien mit Wasserstoff-Peroxid oder Citrat-Lösungen
  • Schminken farbiger Federn mit Pigment-Stiften
  • Verdecken von Fehlfedern durch herausgezupfte Nachbarfedern unmittelbar vor der Bewertung
  • Schwingen-Kupieren über das Nachschneiden hinaus (mehr als 3 mm Substanz-Verlust)

Preisrichter prüfen verdächtige Federn 2026 zunehmend mit UV-Taschenlampe — Wasserstoff-Peroxid-behandelte Federn fluoreszieren anders als naturweißes Gefieder. Wer auf der Schau ertappt wird, riskiert die Listung in der BDRG-Schauunsportlichkeits-Akte mit einjähriger Schau-Sperre.

Transport und Käfig-Praxis

Die Reise vom Schlag zur Schau ist für viele Tiere die größte Belastung der Saison. Bewährt haben sich Transport-Käfige mit den Standardmaßen 50 × 40 × 40 cm, ein Tier pro Käfig, mit fest verschraubtem Wasser-Spender (kein offenes Wasser im fahrenden Auto) und einer Hand-Voll Futter auf dem Käfig-Boden.

Die Käfige werden im Auto so gestellt, dass sie nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind und Querlüftung möglich bleibt. Im Sommer-Transport zur Voraus-Schau im September gilt: ab 24 °C Außen-Temperatur Fahrt in den frühen Morgen- oder späten Abend-Stunden, Innen-Temperatur des Wagens nicht über 28 °C — was praktisch bedeutet, dass Klimaanlage und geöffnete Fenster zur Pflicht werden.

Die Aufnahme am Schau-Standort beginnt 12-18 Stunden vor Bewertungs-Beginn. Tiere kommen in nummerierte Schau-Käfige, werden vom Tierarzt der Schau einer Sichtkontrolle unterzogen und bleiben bis zum Ende der Schau in diesem Käfig. Wasser und Futter werden vom Schau-Personal bereitgestellt — kein Eigen-Futter, keine Eigen-Tränken, keine Eigen-Käfige.

Bewertungs-Skala und Disqualifikations-Gründe

Die BDRG-Skala 2026 ist unverändert:

NotePunkteBedeutung
V (Vorzüglich)96 und mehrAußergewöhnliches Tier, Spitze des Standards
SG (Sehr gut)95Sehr nahe am Standard, kleine Schwächen
HG (Hervorragend gut)94Gutes Tier, mehrere kleinere Mängel
G (Gut)91-93Durchschnittliches Tier, deutliche Mängel
B (Befriedigend)89-90Erhebliche Mängel, knapp Standard
W (Weniger gut)88Unter Standard, einzelner schwerer Mangel
EW (Erheblicher Wert-Mangel)unter 88Disqualifikation, kein Wert für Zucht

Disqualifikations-Gründe nach allgemeiner Schauordnung (zusätzlich zu rasse-spezifischen Punkten): falsche Ringnummer, Ring nicht auf dem gemeldeten Bein, Krankheits-Symptome zum Bewertungs-Zeitpunkt (Augenausfluss, Atemgeräusche, sichtbare Parasiten), Tier außer Stand zu stehen, sichtbare Bewertungs-Manipulation am Federkleid.

Ein V (96+) Tier ist selten — auf einer regionalen Schau mit 200 gemeldeten Tieren fallen meist drei bis sechs V-Noten. Die Verteilung auf einer typischen BDRG-Schau bewegt sich zwischen 5 % V/SG-Anteil und 10-15 % B/W/EW-Anteil; das Mittelfeld G/HG bildet zwei Drittel der Tiere.

Was 2026 anders ist

Drei Änderungen prägen die Saison:

Digitalisierte Anmeldung. Hannover, Leipzig und Erfurt verlangen 2026 erstmals digitale Anmeldung über die jeweilige Schau-Plattform. Der Papier-Postweg ist nicht mehr vorgesehen. Wer keinen Online-Zugang hat, meldet über den Verein.

Tierseuchen-Erklärung. Pflicht ist eine Bestands-Erklärung, dass das Tier in den 28 Tagen vor Einlieferung in keinem Bestand mit Salmonellen-, Paramyxo- oder Trichomonaden-Ausbruch stand. Die Erklärung ist Teil der Online-Meldung; falsche Angaben können straf-rechtliche Folgen nach §7 TierGesG haben.

Käfig-Tierzahl-Limit. Aufgrund mehrerer Bestand-Erkrankungen in der Saison 2024 limitieren die meisten Veranstalter die Tierzahl pro Aussteller auf 20-30 Tiere. Wer mehr melden möchte, braucht Sonder-Genehmigung des Schau-Leiters.

Die Saison Herbst 2026 wird damit ein Stück formaler. Wer sich auf Käfig-Training, Federpflege im Rahmen der Schauordnung und fristgerechte Online-Meldung konzentriert, geht ohne formale Risiken in die Bewertung. Was im Käfig steht, ist dann eine Frage der Anpaarungs-Arbeit des Frühjahrs.


Ressort: Ausstellung